Geschichte

Eine kurze Historie der Schweizer Hürlimann Traktoren

1K8Hans Hürlimann (1901 – 1977) hatte seinen ersten Traktor 1929 vorgestellt. Der Traktor nannte sich 1K8 und besaß einen gut acht PS starken Bernard-Einzylinder-Motor. 1931 gab es dann den ersten Vierzylinder-Traktor 4T18 mit einem 18 PS starken Motor der Firma Zürcher. Bestanden die Hinterräder der Hürlimann-Traktoren zunächst aus Eisenreifen mit Hartgummistollen, konnte man den 4T35 erstmals auch rundum mit Luftbereifung bekommen. 4JT50Von da war der Weg zum Industrietraktor nicht mehr weit.

1933 präsentierte man als ersten dieser Typenreihe den 4 JT 35 mit 35 PS. Er war 35 km/h schnell, verfügte serienmäßig aber nur über eine Getriebebremse. Weil die aber in der bergigen Schweiz wirklich nicht ausreichte, gab es auf Wunsch auch eine Innenbackenbremse. Schließlich stiegen auch bei den Industrieschleppern die PS-Zahlen. So gab es 1935 den 4 JT50Z, von dem auch die Schweizer Armee einige bekam, und 1939 den 4JT53.4T42

Als 1935 Ernst Zürcher starb, bis dato Lieferant der Vierzylindermotoren für die Hürlimann-Traktoren, wechselte der dortige Motorenkonstrukteur Ariste Liengme zu Hürlimann nach Wil.

Dort baute man nun Zwei-, Vier- und Sechszylindermotoren unter eigenem Namen und präsentierte 1938 einen völlig neu konstruierten Traktor, den 4T42. Neben einem Fünfgang-Getriebe mit Seitenschaltung wies dieser Traktor nun die für alle zukünftigen Baureihen so charakteristische Ganzrenksteuerung auf. Erstmals waren nun auch serienmäßig Hinterradbremsen mit an Bord.

 

4DT70Im Sommer 1939 präsentierte Hürlimann mit dem 4DT45 einen ersten Dieselschlepper mit einem Motor nach Saurer-Lizenz. Der 1942 mit einem 70 PS starken Dieselmotor vorgestellte Industrieschlepper 4DJT70 war nun auch mit einer druckluftunterstützten hydraulischen Vierradbremse ausgestattet. Eine Motorbremse sorgte für zusätzliche Sicherheit. Industrietraktoren wurden fast ausschließlich direkt im Werk verkauft, da nur so die vielen individuellen Wünsche der Käufer berücksichtigt werden konnten. Auch konnten schon im Einsatz befindliche landwirtschaftliche Traktoren im Werk zu Industrietraktoren umgebaut werden. D500-

 

Nachrüstungen etwa mit einem stärkeren Motor oder mit einer Doppelseilwinde waren an der Tagesordnung. Diese Individualität macht die Schlepper heute aus der Sicht der Sammler besonders interessant.

 

Viele Industrietraktoren wurden schon werksseitig mit der Hürlimann-Seilwinde ausgestattet, weil sie für den Einsatz im Forst gedacht waren. Die fest angebaute Doppelseilwinde diente nicht nur zur Bergung, sondern auch zur Verladung der Stämme. Die Seilwinde war sicherlich auch der Grund dafür, dass Hürlimann-Industrietraktoren auch beim Zirkus gern gesehen waren. D200Einen Zirkuswagen aus einer nassen Wiese zu ziehen, oder das Zirkuszelt aufzurichten, war für sie kein Problem.

Firmenchef Hans Hürlimann legte immer viel Wert auf eine möglichst große Fertigungstiefe. 1946 präsentierte er einen Traktor, den D 100, der bis auf wenige Ausnahmen aus selbstgefertigten oder im Namen von Hürlimann gefertigten Teilen bestand. Dabei waren nun nicht nur Dieselmotoren und Getriebe aus eigener Produktion, sondern auch Reifen, Scheinwerfer und sogar Batterien ließ er in manchmal sonderlichen Größen eigens für seine Traktoren anfertigen.

Ab 1946 begannen die Typenbezeichnungen grundsätzlich mit dem Buchstaben „D“. Während nur ein Teil der D 400-Schlepper mit 45 PS als Industrietraktoren mit dem Chassis des D 500, Vierrad-Bremsen und gefederter Vorderachse ausgeliefert wurden, gab es den 65 PS starken D 500 grundsätzlich nur als Industrietraktor mit Einzelradaufhängung und drei verschiedenen Getriebevarianten mit Höchstgeschwindigkeiten von 35, 50 oder 60 km/h.

Während Vierradbremsen für Ackerschlepper in den sechziger Jahren noch kein Thema waren, ließ man den ab 1963 gefertigten D 410 Halbindustrie natürlich nicht ohne auf die Straße. Schließlich hatten diese Schlepper überwiegend Transportaufgaben zu bewältigen.D800

Der 95 PS starke D 800 von 1964 sollte eigentlich in Länder verkauft werden, die größere landwirtschaftliche Flächen aufwiesen als die Schweiz. Aber es konnten innerhalb von vier Jahren nur 13 Stück verkauft werden. Drei davon wurden als Industrieschlepper ausgeliefert. Mit dem DH 6, einem fast fünf Meter langen Boliden mit Sechszylindermotor, der aus einem Hubraum von 9,186 Litern 155 PS holte, endete schließlich die Geschichte der legendären Straßenschlepper von Hürlimann. Von diesem einmaligen Industrie-Traktor wurden ab 1970 nur noch genau zwei Stück gefertigt.